Freistil

Recht und Ordnung (5)

Haben wir nun schlechtes Wetter oder schlecht gemachtes Wetter? Wahrscheinlich ist es so ein Mischmasch wie bei allem anderen auch.

Als ich nochmal nach dem Rechten sehen will und mühsam zur Strichwarte hinaufsteige, stehen vier junge Männer auf der Terrasse. Wer sind diese Leute?

Mich beschleicht eine leise Ahnung, daß es sich um Klimaflüchtlinge handeln könnte, davon habe ich schon mal gehört. Ich ergreife die Initiative und spreche die Fremden an: „Wer seid ihr, woher kommt ihr und wohin seid ihr des Weges?“

Höflich deuten die vier jungen Männer eine Verbeugung vor meinem grauen Haar an und heben an, zu sprechen: „Wir sind Klimaflüchtlinge und haben den kurzen Weg vom Ostpol bis hier zu Dir per Sprungfeder zurückgelegt. Wir möchten gerne bei Dir bleiben, denn Du bist ein freundlicher Vogel. Du bewegst Dich noch in dem gesunden Schwarz-Weiß-Denken, das gefällt uns. Dort am Ostpol haben wir nasse Füße bekommen, weil die Grundversorgung mit Trockeneis nicht mehr klappt. Wir hoffen, hier bei Dir ein neues Zuhause zu finden. Was gäbe es über uns noch zu sagen? Ach so, ja, wir bewegen uns klimaneutral mittels Sprungfedern, wir brauchen niemals keine Haarwäsche nicht und das ständige Lächeln ist für uns kein Problem, wir sind immer für einen Scherz zu haben.“

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Ich lasse mich nicht so leicht einwickeln und sage streng: „Springt eine Feder näher für die Gesichtskontrolle – ja gut, ihr seht aus wie nette Leute, ich weiß zwar nicht, aus welcher Plastik ihr geschnitzt seid, aber ihr dürft bleiben. Kommt mit in meine Wohnung, ich stelle euch erstmal auf den Schrank, von da könnt ihr hinspringen, wohin ihr wollt. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, im Haushalt müßt ihr mithelfen, eure Wäsche wascht ihr selbst. Am kommenden Montag werdet ihr in die Arbeiterklasse integriert, da müßt ihr arbeiten und am 1. Mai müßt ihr kämpfen gehen. Außerdem müßt ihr zwangsweise den Staatsfunk bezahlen und ihr müßt die doppelte Summe für die freien Medien spenden, denn es tobt gerade ein Informationskrieg. Den müßt ihr natürlich bezahlen. Einen Anspruch auf Sicherheit gibt es für euch nicht, die ist nämlich nicht selbstverständlich. Ansonsten müßt ihr euch auf Recht und Ordnung einstellen, das wird eure Zukunft sein. Ach so, ich heiße Pittiplatsch, ihr dürft Pitti zu mir sagen. Wenn euch meine Bedingungen nicht passen, schicke ich euch nach China zurück, ihr kommt nämlich überhaupt nicht vom Ostpol.“

Sie überlegen eine Weile, das Denken fällt ihnen sichtlich schwer, im Hintergrund rauscht derweil eine Taube vorbei.

„Geht in Ordnung, wo Du rechts bist, hast Du Recht, wir bleiben hier“, sagen die Vier schließlich wie aus einem Mund.

Irgendwie kann ich ihnen nicht ganz trauen, ich habe da so ein Bauchgefühl.

Ende schlecht – alles schlecht?


RECHT UND ORDNUNG

Experten empfehlen: einfach mal sich die Zeit nehmen und die ganze Serie anschauen, es lohnt sich!

Recht und Ordnung

Recht und Ordnung (2)

Recht und Ordnung (3)

Recht und Ordnung (4)

Kategorien:Freistil

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