Sonnenuntergang im Traumparadies (4)

Wenn man sich den Irrtum leistet und meint, man würde vom Affen abstammen, sind weitere Verirrungen vorprogrammiert und man steckt plötzlich bis über beide Ohren in einem waschechten Wahn.

Und dann regiert dieser Wahn, er herrscht über unser Leben.

So ist das eben, es ginge auch anders, aber so geht es auch eine Weile, bis es zu schmerzlich wird.

Jedoch denkt der Wahnsinnige, er wäre normal, der Patient merkt nichts, für ihn ist alles in Ordnung.

Der erfahrene Arzt allerdings sieht auf den ersten Blick, woran jemand erkrankt ist.

Wenn der Kranke aus lauter Stolz nicht zum Arzt geht und sich behandeln lässt, dann endet alles irgendwann in Zerstörung und Tod.

Das ist doch nicht das erste Mal. Wir sind nicht die ersten Menschen, die krank geworden sind, das hat es alles schon gegeben, es gibt nichts Neues.

Warum wollt ihr also dieses Elend wiederholen?

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Was soll denn auf unserem Grabstein geschrieben stehen: Sie wurden gewarnt, doch sie wollten nicht hören?

Sonnenuntergang im Traumparadies (3)

Wann hast du zum letzten Mal gehört, daß Gott uns Menschen geschaffen hat? Oder hast du es gar noch niemals gehört?

Die Bibel – 1. Mose 1, 1 – Luther 1911

Wenn man die Regeln der klassischen Lehre über Bord wirft, findet man sich im irdischen Traumparadies wieder – in einem Land, in dem der Wahn herrscht.

Waldemar Dege – Wer hat die Macht – 1982

Wer hat uns diesen Himmel auf Erden eingebrockt? Gott weiß es, weißt du es auch?

19. Juni 2017

Es ist schönes Wetter und die Sonne scheint, aber es hat sich nichts geändert – etwas wirft seinen Schatten voraus. Wohl dem Menschen, der die Zeichen dieser Zeit sieht und sich warnen lässt.

Die Wolkenersatzobjekte zünden heute nicht.

Ein Blindgänger und ein Strich hängen einsam und alleine am sauberen, aber nicht reinen Himmel.

Verstrichene Augenblicke am Morgen, die wahrscheinlich kaum jemand von meinen Mitmenschen bewußt miterlebt hat.

Im weiteren Tagesverlauf bleiben die Striche dann im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbar, die traditionellen Wolken bekommen optisch die Oberhand.

Gehe nicht in diese Nacht, aus der keiner mehr erwacht.

18. Juni 2017

Sonnenaufgang planmäßig durchgeführt.

Aussichtsturm am Ostpol auf 89 Grad zum Boden ausgerichtet.

Alle Agenten im Einsatz, Krankenstand Nullkommanullnull.

Am Morgenhimmel Staub gewischt.

Sprühdose zum Nachfüllen geschickt.

Horizont überprüft.

Temperatur von Zentralstern Eins nachgemessen – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Bestrichung gemeldet.

Mittagspause gemacht.

Trotz Hitzefrei noch einige Strichproben entnommen.

Obwohl kaum verstrichen, Tag abgeheftet und zu den Akten gelegt.

Feierabend gemacht.

17. Juni 2017

Haben wir nun schlechtes Wetter oder schlecht gemachtes Wetter? Wahrscheinlich ist es so ein Mischmasch wie bei allem anderen auch.

Als ich nochmal nach dem Rechten sehen will und mühsam zur Strichwarte hinaufsteige, stehen zwei junge Männer auf der Terrasse. Wer sind diese Leute?

Mich beschleicht eine leise Ahnung, daß es sich um Klimaflüchtlinge handeln könnte, davon habe ich schon mal gehört. Ich ergreife die Initiative und spreche die Fremden an: „Wer seid ihr, woher kommt ihr und wohin seid ihr des Weges?“

Höflich nehmen die beiden ihre Pudelmützen ab, klemmen sie unter die Flügel, deuten eine Verbeugung vor meinem grauen Haar an und heben an, zu sprechen: „Wir sind Klimaflüchtlinge und haben den kurzen Weg vom Ostpol bis hier zu Dir zu Fuß zurückgelegt. Wir möchten gerne bei Dir bleiben, denn Du bist ein freundlicher Vogel. Du bewegst Dich noch in dem gesunden Schwarz-Weiß-Denken, das gefällt uns. Dort am Ostpol haben wir nasse Füße bekommen, weil die Grundversorgung mit Trockeneis nicht mehr klappt. Wir hoffen, hier bei Dir ein neues Zuhause zu finden.“

Ich sage streng: „Tretet einen Schritt näher für die Gesichtskontrolle – ja gut, ihr seht aus wie Pinguine, ich weiß zwar nicht, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid, aber ihr dürft bleiben. Kommt mit in meine Wohnung, ich stelle euch erstmal auf den Schrank. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, im Haushalt müßt ihr mithelfen, eure Wäsche wascht ihr selbst. Ich heiße Pittiplatsch, ihr dürft Pitti zu mir sagen.“

Ende gut – alles gut.


Heute sind wieder die Striche zu sehen.

Wechselhaftes Wetter.

Sonnenuntergang im Traumparadies (2)

Es kommt die Nacht, aus der keiner mehr erwacht.

19:24 Uhr bis 19:37 Uhr MESZ

20:01 Uhr bis 20:02 Uhr MESZ

20:13 Uhr bis 20:24 Uhr MESZ

20:41 Uhr bis 21:00 Uhr MESZ

21:24 Uhr bis 21:28 Uhr MESZ


Siehe auch hier: Sonnenuntergang im Traumparadies