21. Juni 2017

Heute ist Sommersonnenwende und wir befinden uns nun auch ganz offiziell auf dem absteigenden Ast. Die wirkliche Wende liegt aber noch vor uns.

Der Tag beginnt mit einem leicht verstrichenen Sonnenaufgang, der Strichfrei erwarten läßt – oder auch nicht, mal sehen.

Was sieht der Vogel, sieht er mehr als ich?

Zwei Stunden vor dem wahren Mittag deutet sich Bestrichung an.

Am Nachmittag geht das Licht aus, der Himmel trägt Kriegsbemalung.

Schade, nun ist es doch so weit gekommen.

Wie soll man diesen Anblick nennen: ist das schwerstes Ultra-Strichilett?

Es ist, wie es ist – aber wie man heute sagen kann, es wäre schönes Wetter, das verstehe ich immer noch nicht.

Allmählich wird die Strichosphäre wieder etwas durchsichtiger.

20. Juni 2017

Ich warte auf den Aufgang der Sonne, in der Zwischenzeit schaue ich mir die Striche an.

Da kommt die Sonne hervor.

Das moderne Strichwetter beginnt.

Der Himmel wird zur Bühne für eine Horrorvorstellung gemacht, bald wird der scheinbare Hauptdarsteller auftreten. Wie wird man ihn empfangen?

In atemberaubender Schnelligkeit wird das Licht zurückgedrängt.

Warum bauen sie sich nicht gleich einen Himmel aus Blech für ihre Neue Himmels-Ordnung (NHO)?

Das Willkommensklima ist bald durch, dann kann der Eine aus der Kulisse treten und rufen: „Hallöchen, da bin ich wieder!“

Der Himmel ist tätowiert und auch die Zweibeiner lassen sich die Striche in ihre Haut stechen.

Das kann was werden, wer möchte da noch dabei sein?

Ich hebe fragend meine Augen auf zum Himmel: wohin kann man fliehen vor der Flut des Bösen?

Es liegt was in der Luft, oder?

Noch ist nicht aller Tage Abend.

19. Juni 2017

Es ist schönes Wetter und die Sonne scheint, aber es hat sich nichts geändert – etwas wirft seinen Schatten voraus. Wohl dem Menschen, der die Zeichen dieser Zeit sieht und sich warnen lässt.

Die Wolkenersatzobjekte zünden heute nicht.

Ein Blindgänger und ein Strich hängen einsam und alleine am sauberen, aber nicht reinen Himmel.

Verstrichene Augenblicke am Morgen, die wahrscheinlich kaum jemand von meinen Mitmenschen bewußt miterlebt hat.

Im weiteren Tagesverlauf bleiben die Striche dann im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbar, die traditionellen Wolken bekommen optisch die Oberhand.

Gehe nicht in diese Nacht, aus der keiner mehr erwacht.

17. Juni 2017

Haben wir nun schlechtes Wetter oder schlecht gemachtes Wetter? Wahrscheinlich ist es so ein Mischmasch wie bei allem anderen auch.

Als ich nochmal nach dem Rechten sehen will und mühsam zur Strichwarte hinaufsteige, stehen zwei junge Männer auf der Terrasse. Wer sind diese Leute?

Mich beschleicht eine leise Ahnung, daß es sich um Klimaflüchtlinge handeln könnte, davon habe ich schon mal gehört. Ich ergreife die Initiative und spreche die Fremden an: „Wer seid ihr, woher kommt ihr und wohin seid ihr des Weges?“

Höflich nehmen die beiden ihre Pudelmützen ab, klemmen sie unter die Flügel, deuten eine Verbeugung vor meinem grauen Haar an und heben an, zu sprechen: „Wir sind Klimaflüchtlinge und haben den kurzen Weg vom Ostpol bis hier zu Dir zu Fuß zurückgelegt. Wir möchten gerne bei Dir bleiben, denn Du bist ein freundlicher Vogel. Du bewegst Dich noch in dem gesunden Schwarz-Weiß-Denken, das gefällt uns. Dort am Ostpol haben wir nasse Füße bekommen, weil die Grundversorgung mit Trockeneis nicht mehr klappt. Wir hoffen, hier bei Dir ein neues Zuhause zu finden.“

Ich sage streng: „Tretet einen Schritt näher für die Gesichtskontrolle – ja gut, ihr seht aus wie Pinguine, ich weiß zwar nicht, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid, aber ihr dürft bleiben. Kommt mit in meine Wohnung, ich stelle euch erstmal auf den Schrank. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, im Haushalt müßt ihr mithelfen, eure Wäsche wascht ihr selbst. Ich heiße Pittiplatsch, ihr dürft Pitti zu mir sagen.“

Ende gut – alles gut.


Heute sind wieder die Striche zu sehen.

Wechselhaftes Wetter.